der Klang von Zuckerwatte

Frühling auf dem Teller

Wir Foodblogger stehen manchmal ganz schön unter Druck. Immerhin steht da viel auf dem Spiel. Allein schon unser Ruf! Wir sind doch „die, die immer so viele leckere Sachen kochen“ und dann auch noch „sooo schöne Fotos“ davon machen. Die Erwartungshaltung ist tatsächlich ganz schön seltsam. Laut der Meinung anderer sind wir Foodblogger nämlich ein Völkchen, das immer irre viel Zeit zum Kochen hat. Und natürlich auch immer Lust! Wir Foodblogger, das sind die Verrückten, die mit Begeisterung ganze Stunden in der Küche stehen. Jeden Tag. Mit einem makellosen 50er Jahre Hausfrauen-Lächeln im Gesicht und einer perfekt sitzenden Frisur. Und dabei so lässig wie John Travolta in Pulp Fiction. Und das nach jedem, noch so anstrengenden, Arbeitstag. Und was wir auch kochen: es ist immer aufwändig. Immer ein Festmahl. Immer etwas so Besonderes, das „man selbst ja nie im Leben so nachkochen könnte“.

Ja, ja. Ich verrate Euch mal was über uns Foodblogger. Aber pssst! Das bleibt jetzt unter uns, gell?! Manchmal, alle paar Tage, haben auch wir einfach keine Lust. Nicht aufs Kochen. Nicht auf’s Einkaufen. Nichtmal um den kleinsten Finger zu rühren. Das Problem an der ganzen Sache: Essen wollen wir trotzdem. Und in unserem Fall möglichst frisch. Die bösen Notfall-Spaghetti mit Olivenöl gab’s schon gestern, der letzte Rest Brot ist auch alle und an Fast Food dürfen wir als Foodblogger ja nicht einmal denken! Zumal bekommst Du davon Bauchweh und das willste ja auch nicht. Und verdammt… muss da nicht auch noch bald irgendwann mal ein neuer Blogeintrag her?

Also stehen wir halt doch auf von unserem Sofa und heben den faulen Hintern. Allerdings unter großem Protest, den wir auch grummelnd unserem persönlichen Umwelt kundtun. Dann schleppen wir uns halbherzig in die Küche und seufzen erst einmal in Anbetracht vom Herd und der schieren Masse an Ideen, die wir vor ein paar Tagen noch zum heutigen Abendessen hatten. Jetzt fällt uns nämlich partout nix mehr ein. Fangen wir vielleicht mal mit der Bestandsaufnahme an: Was ist denn alles da? Wir machen den Kühlschrank auf und sehen als erstes, das wunderschöne Stück Filet vom Rind von der schwäbischen Alb, das uns entgegen lacht. Stimmt, da war ja was! Sollte das nicht in den Wok? So langsam melden sie die kleinen grauen Zellen zurück und im Kopf fängt’s an zu rattern. Also schonmal das Fleisch in große Würfel schneiden und in einer asiatischen Marinade in den Kühlschrank zurück stellen, währen wir weiter auf Zutatenjagd gehen. Neben dem Herd steht frischer, leuchtend grüner Spargel aus Bruchsal… erst gestern am Spargelstand gekauft. Wär doch schade drum, wenn man nix damit machen würde. Und nun packt Dich doch wieder der Ehrgeiz. Waren die Radieschen im Blumenkasten auf der Terrasse nicht auch schon erntereif? Gleich mal gucken! Tatsächlich: richtig schöne kleine Brummer sind es geworden. Mit einer knallig rosaroten Farbe und einer blass-weißen Spitze… wunderschön. Also ziehen wir ein paar aus der lockeren Erde und freuen uns an unseren allerersten, eigenen Radieschen, die wir nun liebevoll in die Küche zurück tragen.

Da uns Zweifel plagen ob wir auch wirklich satt werden, kramen wir noch schnell den Reiskocher hervor, schütten etwas Klebereis und Wasser hinein, machen den Deckel zu und schieben den Schalter auf „an“. 15 Minuten später duftet es herrlich nussig in der Küche und wir beginnen neue Hoffnung zu schöpfen. Inzwischen dürfte auch das Fleisch soweit sein. Also: Wok raus, ebenso einen kleinen Topf. Den Spargel befreien wir rasch vom holzigen Ende, indem wir das untere Ende abbrechen. Schälen müssen wir ihn nicht – ein Hoch auf die Unkompliziertheit vom grünen Spargel! – schneiden ihn aber in fingerlange Stücke, die wir für etwa eine Minute in kochendes Salzwasser geben. Anschließend unter kaltem Wasser abschrecken und mit den Radieschen auf zwei Tellern anrichten. Fehlt nur noch das Fleisch: Ab in den heißen Wok mit etwas Öl damit und nach keinen fünf Minuten ist es fertig. Rausholen, den Bratensatz noch mit einem feinen Söß’ken lösen, dieses letztlich mit Butter binden… voila.

Und da sehen wir es: das Essen, auf das wir eigentlich gar keine Lust hatten. 

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Ein Gedicht an Frühling auf dem Teller! All der knallgrüne Spargel, die zart-leuchtenden Radieschenscheiben und das saftig-rosa gebratene Rinderfilet. Wir merken, wie uns die frischen Aromen in die Nase steigen und uns mit neuer Energie versorgen. Über all dem glänzt das feine Söß’ken, durchsetzt mit ein paar Körnchen Furikake, und unser Herz lacht in Anbetracht daran, dass wir vorhin tatsächlich fast davor waren aufzugeben. Schnell greifen wir zur Kamera, machen genau ein Foto (denn gegen mehr protestiert der Appetit!). Wir nehmen einen Happen in den Mund, seufzen vor lauter frühlingshaftem, frischem Glück auf der Gabel und können nun stolz verkünden, unseren Ruf doch nochmal gerettet zu haben. Zumindest für heute…

Rinderfilet auf Spargel-Radieschen-Salat mit Furikake

Zutaten für 2 Portionen

  • 200 g Rinderfilet, in 3-4 cm große Würfel geschnitten
  • 1 EL Sojasauce + 2 weitere EL
  • 1 EL Erdnussöl + 1-2 weitere EL
  • 1 TL Zucker oder Mirin
  • 250 g grüner Spargel, das untere, holzige Ende abgebrochen und in 5 cm lange Stücke geschnitten (für die Ästhetik-Anhänger unter uns: eine schräge Schnittkante sieht auf dem Teller hübscher aus)
  • 4 Radieschen, geputzt und in Scheiben geschnitten
  • ein paar Baby-Salatblätter
  • 1 Knoblauchzehe, geschält und gehackt
  • 2 EL Sake, Noilly Pratt oder trockenen Weißwein
  • 1 TL Fischsauce
  • 2 EL Wasser
  • 1 TL Butter
  • 1 TL Sesamöl
  • 1 EL Furikake nach Wahl

Zubereitung

1 EL vom Öl, sowie 1 EL der Sojasauce und den Mirin bzw. Zucker verrühren. Die Fleischwürfel damit übergießen, alles gut vermischen und für mindestens 1 Stunde abgedeckt im Kühlschrank marinieren lassen. 

Den Spargel in ein wenig kochendes Salzwasser geben, 1 Minute garen lassen – er soll noch schön bissfest und knackig sein – dann vorsichtig heraus fischen und unter kaltem Wasser abschrecken. Mit den Radieschenscheiben und Mini-Salatblättern auf zwei Tellern anrichten.

Einen Wok erhitzen, das restliche Öl hinein geben und die Fleischwürfel hinein legen. Nun das Fleisch eine Minute komplett in Ruhe lassen, danach wenden und erneut 1 Minute in Ruhe lassen. Anschließend rund herum bräunen und rosa bzw. bis zum gewünschten Grad weiter garen. Das Fleisch heraus nehmen und auf einem Teller oder einer Platte kurz ruhen lassen. Nebenbei die restliche Sojasauce, die Fischsauce, das Wasser und den Wein mit dem Knoblauch in den Wok geben und schön rühren um den Bratensatz zu lösen. Die Butter hinzu geben und so lange köcheln lassen, bis die Sauce andickt. Den Wok vom Herd nehmen.

Die Fleischwürfel alle einmal mittig durchschneiden, auf dem Spargel-Radieschen-Bett anrichten und mit der Sauce übergießen. Am Schluss noch etwas Sesamöl darüber träufeln und das Furikake darüber streuen. Mit einer Schüssel Klebereis servieren.

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13 Kommentare zu “Frühling auf dem Teller

  1. was ein schöner bunter Teller.
    und eine tolle Einleitung, die wohl jeder Foodblogger nachvollziehen kann.

    1. Herzlichen Dank! Diese Farben im Frühjahr finde ich jedes Jahr auf’s Neue schön! 🙂
      Liebe Grüße und ein schönes Rest-Wochenende!
      Ylva

  2. Xeniana sagt:

    Wollte mich noch für das Gewinnspiel bedanken!

    1. Ach, das ist lieb von Dir! Herzlich gerne doch! 🙂

  3. Der Bericht über Foodblogger find ich toll:-)

  4. Hhmmm…so schön geschrieben :-). Ich bin zwar kein „richtiger“ Foodblogger, aber das Problem das du schilderst kenne ich nur zu gut. Und das was du gekocht hast, ist genau mein Stil. Man könnte den grünen Spargel auch im Wok braten (weniger Geschirr, mehr Geschmack), hab ich neulich gemacht und das war supersuperlecker :-).

    1. Guten Morgen, meine Liebe! Ich denke, das Problem mit dem Kochen kennen wir alle. 😉 Schön, dass es da so einfache Gerichte gibt, für die man kaum etwas tun muss – auf die kann man dann doch immer gut zurück greifen. Ja, Spargel aus dem Wok, lecker! Das hab ich dieses Jahr noch gar nicht gemacht, wird aber höchste Zeit! Lieben Dank!
      Einen schönen Start in die Woche wünsch ich Dir!
      Ylva

  5. Julia sagt:

    Ach diese Tage… war heute nicht so einer? Da sollte gebacken werden. Nur wie, ohne Butter und Mehl? Die letzten Wochen wurde nicht so viel eingekauft, der Überblick über den Vorratsschrank verloren, alles irgendwie blöd. Und trotzdem ist aus allen Mehlresten, die das Haus noch zu bieten hatte, was ganz ordentliches geworden. Nicht so bunt wie Dein schöner Frühlingsteller, aber trotzdem ganz ok 😉
    Viele liebe Grüße und einen schönen Abend noch <3

    1. Gestern war definitiv auch ein solcher Tag, liebe Julia 😉 Und ja, im Vorhinein einzukaufen erleichtert das Kochen und Backen doch gewaltig. Wie schön, dass es dennoch geklappt hat bei Euch. Bei uns gab’s gestern ein Reste- und durch den Tag Gefuttere – manchmal braucht man sowas einfach. *gnihihi
      Liebe Grüße zurück und einen herrlichen Start in die neue Woche!
      Ylva

  6. Tammy sagt:

    Ylva, herrlich geschrieben, aber ich glaube Liebe im Magen trifft es eher als Titel. Das sieht soooo köstlich aus!

    1. Vielen Dank liebe Tammy! 😉 Es war auch wirklich köstlich!
      Ganz herzliche Grüße und einen schönen Abend!
      Ylva

  7. […] Ich mag ja schöne Geschichten die das Leben schreibt sehr gerne, Ylva hat es auf den Punkt gebracht: „Auch Foodblogger haben mal keine Lust zum kochen!“ oder Frühling auf dem Teller! […]

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