der Klang von Zuckerwatte

Für die (Vor-)Weihnachtszeit: Glögg

Schon die alten Römer würzten ihren Wein, indem sie diesen mit Honig, Pistazienbaumharz, Pfeffer, Lorbeer und Datteln einkochten, um ihn später wiederum mit noch mehr Wein zu „verdünnen“. Im Mittelalter ähnelte der gewürzte Wein schon viel eher unserem Glühwein, wir wir in heute kennen. Damals trank man ihn jedoch bevorzugt kalt und man glaubte noch, es handle sich um ein Heilmittel. „Hypocras“ – der Glühwein des Mittelalters – wurde, ähnlich dem unseren, mit Wein, Honig, Gewürznelken, Zimt, Kardamom, Ingwer und Orangenblüten hergestellt und erreichte wegen der damaligen Gewürzpreise der dafür verwendeten Luxusprodukte lediglich den Adel am Hof.

Heute müssen wir zum Glück nicht am Königshof residieren um in den Genuss zu kommen und können ihn, wenn wir in der Vorweihnachtszeit nicht gerade auf den ersten Weihnachtsmärkten umher schlendern und ihn dort zwischen dem Geruch frisch gebrannter Mandeln, Räucherkerzen und Lebkuchen genießen, ganz bequem zu Hause selbst zubereiten. Während man den Glühwein in Deutschland hauptsächlich mit Zimt, Gewürznelken, Anis und Zitrusfrüchten anreichert, liebe ich persönlich den Glühwein eher auf die schwedische Art: mit zusätzlich viel Kardamom, Ingwer und noch einem kleinen Schuss Hochprozentigem für extra warme Füße.

Welche Gewürze man auch nimmt – zu stark erhitzen sollte man sein Gebräu dabei nicht, weder beim Zubereiten, noch beim Aufwärmen, denn es verflüchtigt sich dabei nicht nur der wertvolle Alkohol, sondern auch die zugegebenen Gewürze bekommen einen unangenehmen Beigeschmack. Maximal 80°C ist perfekt und dem Ganzen sollte dann mindestens 1 Stunde, wenn nicht gar eine Nacht lang Zeit gegeben werden, damit sich das Gebräu mit den herrlichen Gewürzen vollsaugen kann.

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Der Rest, insbesondere das Mengenverhältnis der einzelnen Zutaten zueinander, ist reine Geschmackssache. So wie unten beschrieben machen wir es im Hause Zuckerwatte jedoch am liebsten. Das Ergebnis ist ein Glühwein, der dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestalkoholgehalt von 7% bei der Handelsware durchaus erfüllt und durch die großzügige Zugabe von Kardamom eine angenehm zitronige Schärfe hat, die sich harmonisch mit dem Zimt vereinigt.

Glögg nach dem Hause Zuckerwatte

Zutaten für 1 Liter (und nein, wir nennen keine Mengenangaben pro Person!)

  • 1 Liter-Buddel trockener Rotwein (wir bevorzugen einen jungen, fruchtigen Rotwein ohne grobe Kanten, den wir am liebsten im italienischen Supermarkt im Nachbarort holen: Merlot, Primitivo, Cabernet, Montepulciano oder Barbera eignen sich ganz gut. Ansonsten kann man auch wunderbar bei den Franzosen nach einem jungen Bordeaux gucken.)
  • 1 daumengroßes Stück Ingwer
  • ca. 20-30 Körner Kardamomsaat (ich greife immer blind in die Dose und fische mit Daumen-, Zeige- und Mittelfinger eine sehr großzügige Prise heraus)
  • 100 g Zucker (oder auch mal Teile davon mit Honig ersetzt)
  • 4-5 Gewürznelken
  • 1 Prise frisch gemahlene Muskatnuss
  • 1 Zimtstange (an einem besonders kalten Tag auch mal gerne anderthalb)
  • 1 Sternanis
  • 1 Stück Orangenzeste, wenn mir danach ist
  • 1 großzügiger Schwupps Wodka nach Augenmaß

Den Wein entkorken, sicher stellen, dass er nicht verkorkt ist und ab damit in einen ausreichend großen Topf. Den Ingwer samt Schale in dünne Scheiben schneiden, den Kardamom grob im Mörser zerstoßen. Alle Gewürze sowie den Wodka zum Wein in den Topf geben und das Gebräu erhitzen, bis es fast kocht (maximal 80°C ist perfekt).

Den Herd nun ausschalten und den Wein für 1-12 Stunden ziehen lassen. Länger ist auch nicht schlimm, aber wahrscheinlich kaum auszuhalten, da zu verlockend.

Den Glögg erneut auf Trinktemperatur erhitzen und durch ein Sieb in Punschgläser, Grogggläser oder Tassen füllen. Heiß mit Mandeln oder anderen Nüssen nach Wunsch servieren.

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8 Kommentare zu “Für die (Vor-)Weihnachtszeit: Glögg

  1. Liebe Ylva,
    Danke für das köstliche Rezept 🙂
    Herzliche Grüße,
    Sabine

    1. Herzlichen Dank, liebe Sabine! Es geht doch auch nichts über eine gute Tasse Glögg, wenn es draußen matschig, grau und kalt ist 😉
      Ganz liebe Grüße und *prost*!
      Ylva

  2. sonjaurinko sagt:

    Wow, ich sollte mal anfangen, mich an ein dieses Glühweinrezept zu halten! Ich misch da ja immer einfach alles nach gut Gück rein, was manchmal eh ganz gut ist, ab und zu aber auch schiefgeht.
    Außerdem finde ich dein Bild großartig – den Löffel kenn ich von meiner Oma!

    1. Omalöffel sind die besten, oder? 😉
      Es freut mich riesig, dass Dir das Rezept so gut gefällt. Ich mache es auch jedes Mal ein kleines bisschen anders, aber das hier ist so das Grundrezept nach dem ich dann leicht variiere, je nach dem was es für ein Tag war.
      Ich wünsche gutes Gelingen beim selber mischen und viel Spaß beim Kosten *hihi
      Ylva

  3. Julia sagt:

    Was soll man sagen, liebe Ylva, die Römer waren kluge Leute 🙂 Glühwein mach ich nur ganz selten selber, weil mir bisher das richtige Rezept gefehlt hat. Das hat sich nun geändert, würde ich mal sagen 🙂

    1. Sehr klug waren sie, diese „verrückten Römer“, liebe Julia 😉 Ich mag seit diesem Rezept ehrlich gesagt gar keinen Fertigglühwein mehr kaufen, zumal ich davon oft am nächsten Tag einen mächtigen Kater habe (auch nach Kleinstmengen) und er mir meist zu süß und mit viiieeel zu wenig Kardamom ist. Probier es gerne mal aus und gib Bescheid, ob er auch Dir schmeckt 🙂
      Ganz liebe Grüße und *prost!
      Ylva

  4. Kai sagt:

    Tolles Rezept – das sich zur Unterstützung der heimischen Winzer bestimmt auch mit lokal angebautem „unkomplizierten“ Wein wohlschmeckend zubereiten lässt, z. B. mit Portugieser, Trollinger oder Regent.
    Viele Grüße!
    Kai

    1. Lieben Dank, Kai!
      Und klar, das Rezept funktioniert auch super mit lokalem Wein. Einfach ausprobieren 🙂
      Viele Grüße,
      Ylva

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