der Klang von Zuckerwatte

Wie man ein Huhn zerteilt und warum ich seit ein paar Monaten noch kritischer einkaufe als zuvor

Was für ein Tag gestern! Nachdem mein Schatz und ich das Wochenende in Potsdam verbracht und dort schon herrlich geschlemmt hatten, stand ich gestern fast den ganzen Tag glückselig in der Küche und habe gebacken, gekocht, gerührt, gemixt und vorbereitet. Angefangen hat alles damit, dass ich morgens zum Hofgut Mauren gefahren bin um frische Eier und etwas Gemüse zu kaufen. Wie es mir beim Einkaufen so oft ergeht wurde ich in Versuchung geführt. Gestern war es ein Hähnchen, dem ich einfach nicht widerstehen konnte. Das lag beim Hofgut fröhlich in der Kühltruhe und flüsterte mir zu: „Nimm mich mit!…“

Früher wäre ich ja wirklich nie auf die Idee gekommen ein ganzes Huhn (oder eine ganze Ente, Gans oder was auch immer) zu kaufen um den Vogel dann in der eigenen Küche zu zerteilen. Inzwischen sehe ich das etwas anders. Überlegt hatte ich es mir schon lange, doch wirklich getraut hatte ich mich nicht so wirklich. Zum Umdenken und letztlich auch zum Handeln bewegt hat mich ein Beitrag von Astrid Paul, den sie auf Ihrem Blog veröffentlicht hat. Wer ihn noch nicht kennt, sollte ihn sich unbedingt durchlesen!

Nachdem ich den Artikel gelesen hatte war ich erst einmal ziemlich geschockt und seitdem kaufe ich nochmal anders ein als früher. Ich habe schon immer darauf geachtet, was in meinem Einkaufskorb landet, doch nun bin ich noch um einiges kritischer, wenn ich einkaufen gehe. Ich achte noch mehr auf natürlich hergestellte, regionale und saisonale Produkte sowie Bio-Ware. Ich kaufe Eier vom Markt oder inzwischen auch vom Hofgut im Nachbarort und Fleisch gibt es vom Markt und dem Metzger unseres Vertrauens in Böblingen. Der hat nicht nur gutes Fleisch im Angebot, sondern verarbeitet seine Ware auch super. Oft wird heutzutage beim Metzger mit Zusätzen gearbeitet; ein klassisches Beispiel ist Wurst. Die wird nämlich meist mit Milch gebunden; das verringert genau betrachtet nicht nur die Qualität der Ware, sondern wird von manchen auch überhaupt gar nicht vertragen – denkt mal an Milchallergiker, Laktose-Intolerante oder Menschen, die krankheitsbedingt Probleme mit der Verdauung haben. „Unser“ Metzger verzichtet komplett auf solche Zusätze und bindet die Wurst mit dem fleischeigenen Fett. Das schmeckt man und man verträgt es auch besser. Wer in der Nähe wohnt und neugierig ist: unten im Beitrag steht die Adresse.

Also habe ich vor ein paar Monaten auch zum ersten Mal einen Ausflug zum Hofgut Mauren gemacht. Seitdem kaufe ich dort gerne und häufig ein, insbesondere Eier, Milchwaren, Obst und Gemüse. Das Hofgut ist von uns aus gut zu erreichen: eine kurze Fahrt auf der Landstraße und schwupp ist man da und kann im Laden des Hofguts ein super Sortiment an Lebensmitteln bekommen: frisches Gemüse und Obst aus der Region – natürlich „nur“ Saisonware, aber was gibt‘s besseres? – täglich frische Champignons und legefrische Eier direkt vom Hof, frische Milch von der Alb, Saft, Getreide und Milchprodukte aus der Region und ebenso Fleischprodukte wie Dosenwurst, Rauchfleisch, Würste und ab und an sogar schlachtfrisches Rindfleisch gibt es dort zu kaufen. Zudem gibt es alle paar Tage auch frisch geschlachtete Hühner.

Gestern war ich, wie schon gesagt, ebenfalls dort und als mich da drei wirklich riesige Hähnchen angelacht haben, habe ich kurz entschlossen zugegriffen und mir eines mitgenommen: das kleinste (!) mit einem Gewicht von satten 2,5 kg! Wahre Monster-Hähnchen, wenn ich so daran denke, was man „normalerweise“ so kennt.

Wieder zu Hause beschloss ich es zu zerteilen: in 2 Flügel, 2 Schenkel und 2 Brüste. Aus den restlichen Knochen wollte ich eine Brühe machen. Also hab ich abends das Hähnchen ausgepackt und bekam erst einmal eine Überraschung: Die Innereien waren zwar ausgelöst, aber tatsächlich noch im Huhn. Super! Da schmeckt die Brühe gleich noch besser.

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Unsere Katzen waren ebenfalls total aus dem Häuschen: ein frisches Huhn, das lecker duftend auf dem Tisch lag, die Innereien verlockend in einer Schüssel daneben. Sie haben dann auch gleich etwas abbekommen und gerade Sam hat sich fast überschlagen vor Freude.

Tja, doch wie zerteilt mann denn nun bitte ein Hähnchen? Es ist tatsächlich gar nicht schwierig, sondern sehr einfach und mit ein wenig Übung ist es kein Hexenwerk sogar die Haut so mitzunehmen, dass es schick aussieht. Ich habe gestern meinen allerersten Versuch filmen lassen und habe somit tatsächlich eine Video-Anleitung für Euch. Entschuldigt bitte, dass die Kamera ab und an wackelt und mein Kopf immer mal wieder im Bild ist. Ich hoffe, Ihr könnt dennoch alles erkennen und damit lernen, wie es geht.

Was ich leider total verpennt habe: ich habe die Sot-l‘y-laisse vergessen. Das sind die eigentlich besten Stücke vom Huhn und in Deutschland auch als Pfaffenstücke bekannt… Erinnert Ihr Euch: Die fabelhafte Welt der Amelie? Da ist auch die Rede von den Pfaffenstücken.

Aus den übrigen Knochen und den Innereien habe ich mir anschließend eine Brühe gekocht. Und zwar so:

Ich habe etwas Öl in einem Topf erhitzt, dann die Hühner-Karkasse, sowie die Flügel, Innereien und abgeschnittene Haut darin angebraten. 1 Bund Suppengrün geputzt, klein geschnitten und mit angebraten, 3 l Wasser dazu, sowie 1 EL Salz, 1 TL Pfefferkörner, 3 Nelken und 1 Lorbeerblatt. Aufkochen lassen, Schaum abgeschöpft und auf niedriger Temperatur 90 Minuten simmern lassen. Dann habe ich alles durch ein Sieb in einen zweiten Topf gegeben und voilà – fertig!

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Die Brühe ist so lecker geworden, dass ich gestern sofort eine Portion geschlürft habe und auch heute kommt noch die ein oder andere Tasse dran. Ansonsten wird sie zu Suppen, Risottos oder Eintöpfen verarbeitet und falls sie nicht rechtzeitig wegkommen sollte, kommt der Rest zu den abgepackten Keulen und Brüsten in die Gefriertruhe.

Adressen der im Artikel erwähnten Betriebe:

Metzgerei Böhm
Stadtgrabenstraße 16
71034 Böblingen
Tel.: 07031-220438

Hofgut Mauren
71139 Ehningen
Tel.: 07034-653542
Homepage: http://www.hofgut-mauren.de

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14 Kommentare zu “Wie man ein Huhn zerteilt und warum ich seit ein paar Monaten noch kritischer einkaufe als zuvor

  1. Ein Appell, kritisch und wohlüberlegt seine Lebensmittel einzukaufen. Bravo, das gefällt mir! 🙂

    1. Das freut mich 😀
      Ich finde es wichtig beim Einkaufen darüber nachzudenken, was man sich da gerade in den Korb legt. Lieber weniger und dafür gut.

      1. Trina sagt:

        Da bin ich ganz deiner Meinung.

  2. Ich spiele schon eine Weile mit dem Gedanken an ein ganzes Huhn- das soll dann aber auch ganz bleiben! Und nee bäh kein TK-Huhn aus so nem Massentierhaltungshof 🙁 ich mag auch ein glückliches, gesundes Biohuhn! Schön, wenn immer mehr Menschen bewusst einkaufen!

    1. …und danke für den Hinwies auf den Artikel von Arthurs Tochter! Den kannte ich nicht, das Thema interessiert mich aber schon immer und ich fand ihn sehr spannend.

      1. … gerne doch! Der Artikel von Astrid Paul ist wirklich gut. Hat mich damals ziemlich schockiert, als ich den zum ersten Mal gelesen hab. Aber man kann ja selbst handeln und sich beim Einkaufen für gute Lebensmittel entscheiden. Zum Glück gibt es noch diese Kleinbetriebe, die frische und regionale Ware anbieten! Irgendwie kauft man da auch viel entspannter und schon im Vornherein bewusster ein… 🙂

    2. Ja, das schmeckt auch so viel besser und man hat gleich ein gutes Gefühl dabei. 🙂

  3. Wow, die graue Mitzekatze ist sooo süß, ich habe mich sofort in sie verliebt. Einen schönen Blog hast Du da übrigens! LG Sylvia

    1. Lieben Dank! Freut mich sehr, dass es Dir hier gefällt.
      Ja, unser Sam ist wirklich ein Hübscher – und er weiß es auch (und auch, wie er das nutzen kann) 😉
      Ganz liebe Grüße und einen schönen Abend Dir noch,
      Ylva ❤

  4. Huch! In Mauren kaufe ich auch sehr gerne ein. Grade Rind- und Schweinefleisch sind auch sehr lecker, aber am Besten finde ich die Kartoffeln dort – da habe ich noch nichts vergleichbares gefunden.

    1. Ich finde vor allem die Milchprodukte von dort so toll. Die Butter ist ein wahrer Traum – ich kaufe keine andere, wenn ich die bekomme! Und auch die Milch…
      Die Kartoffeln habe ich bisher noch nicht probiert, da wir noch viele selbst angebaute bei uns rum liegen und zu verbrauchen haben. 😉
      Aber das Gemüse, was ich bis jetzt dort geholt habe, war alles immer super lecker. Kein Vergleich!
      Kennst Du abgesehen von Mauren noch weitere Hofgüter in der Nähe, wo sich das Einkaufen lohnt? Ich will jetzt auch mal den frisch gefischten Fisch aus dem Teich in Ehningen probieren… hast Du damit schon Erfahrungen gemacht?

  5. Stimmt, die Butter ist auch toll. Im Edeka in Gärtringen gibt´s allerdings mittlerweile die ganze Bioland-Reihe von Schwarzwaldmilch, die find ich nochmal leckerer 🙂

    Ansonsten kauf ich gern bei Messerns Bauernladen in Maichingen ein und wenn ich´s mal schaffe bei den Waldhöfen in Gärtringen. Hauptsächlich aber auf dem Wochenmarkt in Gärtringen und auch mal in Herrenberg oder Sindelfingen. Altdorfer Mühle muss ich demnächst mal besuchen, da der Laden in Gärtringen, der viele von den Produkten dort im Angebot hatte leider schließen musste.

    Wo gibt´s denn in Ehningen den Fisch? In Gärtringen ist Samstags unregelmßig die Forellenfrau – die hatten die besten Fische, die ich kenne. Wenn die da ist gibt´s immer geräucherte Forelle zum Frühstück, aber soweit ich weiß kommt sie aus Aidlingen.

    1. Super, vielen Dank für die zahlreichen Tipps! Heute hab ich auch gleich den Edeka in Ehningen ausprobiert; der hat ja ein geniales Sortiment – ich bin ganz hin und weg! 🙂

      Ich hab bei der Gelegenheit auch gleich Milch, Butter und einen Kräuterquark vom Bio-Schwarzwaldmilch- Sortiment eingepackt und bin schon gespannt, wie es schmecken wird.

      Bei den Höfen in Maichingen und Gärtingen war ich bisher auch noch nicht, möchte die nun aber auch bald mal besuchen und schauen, was es da alles Feines gibt.

      Den Fisch in Ehningen gibt es beim Würmtal-Weiher (die haben auch eine Facebook-Seite mit Link zum Routenplaner). Ich war bisher selbst noch nicht dort, aber man kann da entweder gegen eine Gebühr sogar selber angeln oder den Fisch frisch gefischt direkt kaufen. Bis jetzt hab ich nur gutes gehört, die Fische (Forellen) sollen jedenfalls super lecker sein.

  6. […] ein ganzes Hühnchen gekauft. Das wog satte 2,5 kg, wurde von mir zu meinem ersten “Ich zerteile heute ein Huhn“-Projekt erkoren und lieferte eine unglaublich köstliche Brühe, nachdem ich den […]

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